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Tägliche Datenbereitstellung im Wettbewerb: Das Energiedatensystem zur Verarbeitung von Messdaten bei der Enexis Meetbedrijf - Niederlande

Wie ein Metering Betrieb in einer liberalisierten und regulierten Marktumgebung funktioniert, ist seit 2003 in den Niederlanden zu sehen. Seit dort das Energierecht nach EU Vorgabe vollständig umgesetzt wird, haben die Marktpartner alle Hände voll zu tun, um ihre unternehmerische und betriebliche Organisation anzupassen.

Netz und Vertrieb sind klar voneinander getrennt. Auch das Zähl- und Messwesen stehen im Wettbewerb. Diese Liberalisierung erlaubt dem Kunden, den Betreiber von Messungen selbst zu bestimmen oder auch, diese Aufgaben selbst zu leisten: d.h. Zähler montieren, ablesen und die Daten anmelden. Er ist dann selbst dafür verantwortlich, dass die Verbrauchsdaten entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen erfasst, zum Netzbetreiber gemeldet und abgerechnet werden.

 

Niederlande - Wahlfreiheit der Messung für alle

Die Liberalisierung im Messwesen gilt in den Niederlanden heute für alle Kundensegmente: Sonderkunden wie Haushaltskunden. Derzeit wird allerdings in der Regierung darüber diskutiert, die Wahlfreiheit für die Messung bei Haushaltskunden wieder zurückzunehmen. Die Aufwände und Risiken eines liberalisierten Modells sind im Vergleich zum regulierten Ansatz auf Kunden - wie auch auf Versorgerseite erheblich und führen nicht automatisch zu niedrigeren Preisen im Messwesen.

In der Praxis übernehmen daher nach wie vor renommierte Serviceprovider für Messdienstleistungen die ganze Prozesskette vom Contracting, Metering bis zum Datenmanagement und der per Verordnung zugehörigen Qualitätssicherung der Daten und Prozesse. Ein weiterer Grund für die Kompetenzbündelung bei den Messdienstleistern ist die Zertifizierung durch den Regulator DTE. Denn der Aufbau eines zertifizierten und damit wettbewerbsfähigen Meteringservices lohnt sich nur in größerem Umfang.

Derzeit gibt es etwa 30 Meteringdienstleister in den Niederlanden. Darunter sind 15 - 20 freie bzw. neue „Metering Operators", die meist aus der IT-Branche oder der Zählerherstellung stammen. Die größeren Unternehmen sind jedoch im Rahmen der Segmentierung großer Netzbetreiber als Ausgründung entstanden - so wie die Enexis Meetbedrijf. Sie steht in landesweiten Rankings in Punkto Datenqualität und Zuverlässigkeit unangefochten an erster Stelle und ist der größte Meteringbetrieb der Niederlande.

 

Enexis Meetbedrijf und das „Projekt 2003"

Zusammen mit der Enexis Meetbedrijf setzte die GÖRLITZ AG bereits 2003, mit der Inbetriebnahme des damaligen Systems auf Basis der ENZ2000 und dem EDW, erfolgreich eines der größten Projekte zur Zählerfernablesung in den Niederlanden um. Nach einer 10-monatigen Aufbau- und Migrationsphase mit Übernahme der kompletten Konfiguration eines damals vorhandenen Altsystems mit 6.000 Zählern begann am 11. Februar 2003 der Wirkbetrieb des TMS Systems der Enexis Meetbedrijf.

Die Besonderheit des Projektes lag schon damals im großen Datenumfang: 15 Millionen Zählwerte pro Tag für alle Energiearten, die von 51.000 Messpunkten in verschiedenen Zeitintervallen eingelesen wurden, galt es zuverlässig und schnell zu verarbeiten. Zudem musste ein flexibles System eingesetzt werden, dass während der Umstellung sowie auch zukünftig kontinuierliche Erweiterungen ermöglichte.

Durch die dynamische Marktentwicklung im Energiesegment und weitere Expansion der Enexis Meetbedrijf sollte das System auch langfristig auf geänderte Anforderungen des Marktes in Punkto Funktionalität und Skalierung flexibel angepasst werden können. Das dies mit den ausgewählten Systemkomponenten der GÖRLITZ AG möglich war, hat die Entwicklung bis heute gezeigt.

 

Skalierbares schnelles System

Das neue TMS System wurde als Client-Server-Architektur spezifiziert und basierte auf drei wesentlichen Systembestandteilen:

Eine ENZ2000 Client-Server Leitstelle diente zur parallelen Erfassung und Fernablesung der Messdaten aus den Zählern. Hierbei lasen 128 Datenmodems gleichzeitig ab, was bei 10.000 Zählern etwa 90 Anrufen pro Modem entsprach. Dies war die anfänglich für 2003 spezifizierte Größenordnung des Systems. Etwa 50 % der Zähler haben auch heute noch analoge Telefonanschlüsse, die restlichen sind funkbasiert über GSM angebunden.

Die Daten werden seit 2003 direkt in die Datenbank des EDW eingelagert. Die vorliegende Datenbank auf Basis Oracle ist das führende Archivsystem für die Zählerdaten, der aufgesetzte EDW übernimmt verschiedene automatische Validierungsstufen, um die abgelesenen Werte auf Vollständigkeit und Plausibilität zu überprüfen.

Für die Weiterverteilung der qualifizierten und aggregierten Daten an alle nachfolgenden Marktteilnehmer bestand 2003 ein von der Essent eigenentwickeltes System, dass zunächst bestehen bleiben sollte. Demnächst wird diese Systemkomponente jedoch von einer Kombination aus EDW3000 und SAP für die Datenverteilung ersetzt.

 

Flexibler Einsatz für alle Energiearten

Da die Enexis Meetbedrijf Dienstleistungen für alle Energiearten anbietet, musste das neue System äußerst flexibel sein. 2003 stammten 92 % der Messstellen aus dem Bereich Elektrizität, 5 % aus Gas- und 3 % aus Wärmelieferung. Kurz nach der Umstellungsphase, im Juni 2003, erhöhte sich der Anteil der Gaskunden signifikant und es kamen 2.500 neue Messstellen hinzu. Dafür wurden innerhalb der Auswertungsroutinen des EDW3000 neue Sektionen abgebildet, welche die unterschiedlichen Salidierungsperioden von Gas und Elektrizität gleichzeitig berücksichtigten. Während z. B. ein Gastag von 6:00 Uhr bis 6:00 Uhr des Folgetages abgerechnet wird und 24 Werte pro Tag beinhaltet, werden bei der parallel dazu erfolgenden Auswertungen der Kennzahlen von Elektrizität 96 bzw. auch 288 Werte pro Tag verarbeitet, da viele Stromzähler noch im optionalen Intervall von 5 Minuten ihre Daten aufzeichnen.

 

Gigantisches Datenvolumen

Das insgesamt abgewickelte Datenvolumen war bereits 2003 beeindruckend. Die Datenbank des EDW3000 wuchs in den ersten drei Monaten auf 130 Gigabyte an. Jeden Tag stieg das Datenvolumen um knapp 2 Gigabyte auszuwertende Zählerdaten an. Es galt täglich 15 Mio. Zählwerte zu verarbeiten! Bereits damals wurde auf Wachstum und Reservekapazitäten gesetzt. Heute werden mit der bestehenden Software 20.000 Zähler mit 100.000 Datenpunkten ausgelesen. Mit den virtuellen und aggregierten bzw. berechneten Linien verarbeitet das EDW3000 System heute insgesamt ca. 150.000 Datenpunkte - Tendenz weiter steigend.

Entsprechend erstklassig ist auch die Serveranlage hinter den Messdaten. Für jeden Systemteil stehen drei Redundanzen zur Verfügung. Zunächst steht eine Entwicklungsumgebung für die Ersterprobung neuer Entwicklungsstufen und Softwareumfänge bereit. Ein zweites System validiert Test- bzw. Acceptance-Umgebungen neuer Softwareversionen bezüglich Funktionalität und Umfang auf das Zielsystem hin. Nach Systemfreigabe mit allen erfolgreich durchgeführten Tests wird die so geprüfte Software auf das operative System übertragen - wiederum eine komplett eigenständige Anlage. Jede einzelne Anlage wird darüber hinaus durch die Verwendung von Clustertechnologie in sich gedoppelt, dies gewährleistet zusätzliche Redundanz auf Serverebene.

Der hohe Redundanzgrad und die damit extrem hohe Verfügbarkeit des Gesamtsystems wird von Enexis Meetbedrijf nicht ohne Grund mit diesem Qualitätsanspruch verfolgt. Ein Systemausfall von einem Tag kann innerhalb eines Tages nachgeholt und ausgeglichen werden.

Fällt das System jedoch für zwei oder mehr Tage aus, kann eine normale Systemarchitektur diesen Daten- und Zeitverlust in Ergänzung zum Tagesbetrieb des Bedienpersonals kaum noch aufholen. Der Messdienstleister wählte daher eine Lösung mit integrierter Zeitreserve: Das Gesamtsystem besitzt eine tägliche Verarbeitungszeit von knapp 10 Stunden - für die Datenfernablesung, Einlagerung, Validierung und Datenausgabe.

Darüber hinaus besteht mit der GÖRLITZ AG ein Wartungs- und Servicevertrag, der 24 h lang über 365 Tage im Jahr die Verfügbarkeit einer Notfallbereitschaft mit Reaktionszeiten mit weniger als 1 Tag garantiert. Das System läuft im Dauerbetrieb seit vielen Monaten ohne Unterbrechung. Obwohl der Fall eines kritischen Fehlers und der Abruf der Bereitschaft in der gesamten Betriebszeit des Systems bis heute noch nicht aufgetreten ist, hat sich Enexis für diese Form der Versicherung entschieden, da sie im Unternehmen für sogenannte „mission critical" Systeme als generelle Regel angewandt wird.

 

Detaillierte Vorgaben im Dutch Metering Code

Der „Dutch Metering Code" in den Niederlanden diktierte mit einer Änderung in 2004 den Messdienstleistern detaillierte Vorgaben zur Plausibilisierung und Ersatzwertbildung von Zeitreihendaten. Er schrieb aufwändige Ersatzwertstrategien vor, die ein möglichst exaktes Abbild der wahrscheinlichen Verbrauchsläufe im Falle eines Ausfalles der Messdaten nachbilden. Dabei werden zum Beispiel die einzelnen Lastgangwerte eines Tages aufsummiert und mit dem Registerzählwerk „Energievorschub Total" des Zählers verglichen. Sind die Werte unterschiedlich, müssen je nach Größe der Lücke und je nach vorliegender Energieart unterschiedliche Konzepte für die Ersatzwertbildung angewandt werden.

 

Registerdatenverarbeitung - eine neue Vorgabe des Regulators

Anfang 2005 überraschte der Regulator DTE mit einer neuen Vorgabe zu Behandlung und Austausch von Energieverbrauchsdaten aller Sondervertragskunden in den Niederlanden. Mit relativ geringer Vorlaufzeit mussten alle Systeme umgestellt werden auf den Austausch von „Meterstands" - den Zählerständen auf Basis der abgelesenen Registerdaten bzw. aus den Lastprofilen kumulierten Verbräuchen. Auch hier bewies der EDW3000 seine Skalierbarkeit und Flexibilität - das System wurde erweitert und bearbeitet mittlerweile zusätzlich 500.000 Registerdaten nach den vorgegebenen Regeln des DTE.

Gleichzeitig verlangt das neue Gesetz eine höhere Transparenz für die Beteiligten, sobald Werte z. B. fehlen oder falsch erfasst werden. In sogenannten „E65 Nachrichten" an die Netzbetreiber werden die Ergebnisse von Prüfungen der Lastgänge gegen Registerdaten weitergeleitet. Die vorgeschlagenen Ersatzwerte sollen vom Kunden und vom Netzbetreiber innerhalb einer festgelegten Frist prüfbar sein.

 

Transparenz und Qualitätssicherung

Die Fehlerhäufigkeit lag zu Beginn des Systemaufbaus in 2003 noch bei ca. 1 % der verarbeiteten Messwerte. Das Problem war also signifikant, aber mit entsprechender IT lösbar. Enexis entschloss sich zu einer Systemumbildung und verlagerte die Ersatzwertbildung an den Anfang der Prozesskette - direkt in das System EDW3000 - anstatt wie bisher im nachgelagerten EDM oder Abrechnungssystem. Heute erreicht das System eine Datenqualität zur Lieferung an die Folgesysteme von 99,5 bis 99,8 % vollständig plausibilisierter Daten.

Die aktuelle Datenqualität wird laufend in Übersichten für jeden Mitarbeiter sichtbar dargestellt. Dieses Quality-Chart wird im Foyer des Unternehmens minutenaktuell auf einer Projektionswand visualisiert und ist ein Teilelement im Qualitätssicherungssystem der Enexis Meetbedrijf. Berry Bijsterbosch, Leiter der Abteilung Data Management, ist stolz auf die täglich erreichte Qualität: „Metering Datenbetrieb ist ein Job, der 365 Tage im Jahr gemacht wird. Wenn die Kollegen morgens hereinkommen und sehen - Aha, wir haben 99,8 % erreicht heute Nacht - dann wissen sie, wir haben noch 0,2 % der Daten als Arbeit für heute".

Heute ist die bei Enexis eingesetzte Anlage eines der performantesten Systeme dieser Art in Europa. Die GÖRLITZ AG untermauert mit dem erfolgreichen Abschluss des Enexis Projektes einmal mehr ihre führende Position in Europa. Der Betrieb in einem anderen Dienstleistungsumfeld zum Beispiel in Belgien oder Deutschland ist nicht nur technisch vorbereitet, sondern mit der vorliegenden Referenz in den Niederlanden in einer der größten Anlagen für das Energiedatenmanagement in Europa, bewiesen.